Ist Veränderungsresistenz ein Generationenthema?

Öffentliche Debatten über Arbeit und Wandel greifen häufig auf Generationenzuschreibungen zurück.

„Boomer blockieren.“

„Gen Z ist nicht belastbar.“

„Millennials suchen nur nach Sinn.“

Solche Narrative sind eingängig. Sie erklären komplexe Phänomene mit einem einfachen Ordnungsschema: dem Geburtsjahr. Doch die organisationspsychologische Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Meta-Analysen – unter anderem von David Costanza – zeigen, dass Unterschiede zwischen Generationen im Arbeitskontext statistisch häufig gering sind. Viele der zugeschriebenen Merkmale lassen sich empirisch nur schwach belegen.

Wenn es um Veränderungsbereitschaft geht, spielen andere Faktoren eine deutlich größere Rolle: die Qualität von Führung, wahrgenommene Fairness, Transparenz von Entscheidungen und psychologische Sicherheit – ein Konzept, das insbesondere durch Amy Edmondson geprägt wurde. Veränderungsbereitschaft entsteht weniger aus Alterszugehörigkeit, sondern aus dem erlebten Kontext.

In der Begleitung von Veränderungsprozessen zeigt sich dieses Muster regelmäßig. Widerstand verläuft selten entlang von Altersgrenzen. Er entsteht vielmehr dort, wo Zielbilder unklar bleiben, Auswirkungen nicht transparent gemacht werden oder Sorge vor Status- und Einflussverlust im Raum steht.

Wo hingegen Orientierung gegeben wird, Beteiligung ernst gemeint ist und Führung konsistent agiert, sinkt Widerstand – unabhängig vom Lebensalter. Veränderungsresistenz ist daher selten ein Generationenphänomen. Sie ist meist Ausdruck systemischer Unsicherheit.

Gleichzeitig zeigt die Praxis eine weitere Differenzierung: In sehr homogenen Systemen – sei es in Bezug auf Erfahrungswelten, Denkstile oder demografische Zusammensetzung – verstärken sich Dynamiken schneller. Nicht, weil eine bestimmte Altersgruppe problematisch ist, sondern weil Perspektivenvielfalt fehlt.

Die Reduktion komplexer Veränderungsprozesse auf Generationenunterschiede greift daher zu kurz. Sie vereinfacht, wo eigentlich strukturelle Fragen gestellt werden müssten.

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