Coaching zwischen Boom und Beliebigkeit?
Warum die Kritik berechtigt ist – und warum ich trotzdem an die Zukunft glaube.
Die Kritik am Coaching-Markt wächst. Und sie hat Gründe. Unter dem Begriff „Coaching“ versammeln sich heute sehr unterschiedliche Angebote: professionelle Begleitung im beruflichen Kontext ebenso wie Selbstoptimierungsprogramme, spirituelle Formate oder emotional aufgeladene Life-Coaching-Massenveranstaltungen.
Für Außenstehende verschwimmen diese Unterschiede zunehmend. Was bleibt, ist ein unscharfes Gesamtbild. Parallel dazu expandiert der Markt stark. Seit 2019 hat sich das Volumen mehr als verdoppelt, die Zahl der Anbieter steigt kontinuierlich. Wachstum erzeugt Dynamik, aber nicht automatisch Klarheit.
Im öffentlichen Diskurs geht dabei aus meiner Sicht etwas Wesentliches unter:
Professionelles Coaching ist weder Anleitung noch Heilsversprechen.
Es ist strukturierte Reflexionsarbeit.
Methodisch fundierte Gesprächsführung.
Und die gezielte Stärkung von Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit in komplexen Rollen.
Gleichzeitig beobachte ich etwas anderes: Der gesellschaftliche Umgang mit persönlicher und professioneller Entwicklung verändert sich.
Die eigene Reflexion zu trainieren wird selbstverständlicher.
Rollen werden komplexer.
Orientierung und Entscheidungsfähigkeit werden zu Kernkompetenzen.
Ich bin überzeugt: Coaching wird selbstverständlicher werden.
Und vielleicht liegt genau hier der scheinbare Widerspruch: Normalisierung und Unschärfe existieren parallel. Je stärker Coaching in Organisationen integriert wird, desto klarer wird auch die Frage nach Qualität und Professionalität. Nicht alles, was Coaching genannt wird, ist professionelles Coaching. Aber professionelles Coaching wird an Bedeutung gewinnen.