Der richtige Zeitpunkt für Veränderung kommt selten. Warum wir trotzdem zu lange warten.

Nach einer lange aufgeschobenen Entscheidung kommt oft erst die Erleichterung. Und kurz darauf die Erkenntnis: „Warum habe ich eigentlich so lange gewartet?“ Die meisten Menschen schieben Veränderungen viel länger auf, als ihnen guttut. Aber warum ist das eigentlich so?

Weil wir Verlust stärker spüren als Gewinn
Das ist psychologisch gut belegt. Wenn man einen Job kündigt, denkt man in der Regel zuerst an das, was wegfällt: das sichere Gehalt, die vertrauten Kolleg, die gewohnten Routinen. All die Möglichkeiten, die sich eröffnen könnten, bleiben zunächst abstrakt. Wir haben sie noch nicht erlebt und können deshalb auch noch nicht darauf vertrauen.

Weil unsere Identität daran hängt
Wenn wir eine langjährige Beziehung beenden oder eine Rolle verlassen, verlieren wir nicht nur einen Menschen oder einen Job. Wir verlieren auch einen Teil unseres bisherigen Selbstbildes. Wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen: Wer sind wir ohne all das?

Weil wir auf Gewissheit warten
Oft zögern wir und überlegen lange hin und her: Ist die Entscheidung wirklich die richtige? Aber wie sollen wir Gewissheit über etwas haben, das wir noch nicht kennen? Interessant ist: Wenn das Hier und Jetzt wirklich stimmig wäre, würden wir uns die Frage nach Veränderung oft gar nicht stellen. Die Sehnsucht nach Veränderung ist häufig schon ein Hinweis darauf, dass etwas nicht mehr passt.

Weil wir Hoffnung haben

Vielleicht ist die angespannte Stimmung im Team nur eine Phase. Vielleicht macht der Job in ein paar Monaten wieder mehr Spaß. Wir Menschen sind erstaunlich gut darin, die Hoffnung nicht aufzugeben. In vielen Situationen ist das eine wichtige Stärke. In selbstgewählten Veränderungsprozessen kann uns genau diese Hoffnung aber auch davon abhalten, ehrlich hinzuschauen.

Weil Veränderung Energie kostet.
Und da ist sicherlich viel Wahres dran. Was wir aber oft unterschätzen: Wie viel Energie es kostet, an Situationen festzuhalten, die nicht mehr richtig passen. In denen wir uns nicht mehr wohlfühlen. Die uns schon lange mehr Kraft nehmen, als sie geben.
Vielleicht ist deshalb die eigentliche Frage gar nicht: Warum warten Menschen so lange? Sondern: Warum unterschätzen wir die Energie, die das Festhalten kostet?

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